DA008: Urlaub auf dem Hackercamp

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.” Dieses berühmte Zitat stammt vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Ich weiß ja nicht wie ihr das seht, aber ich finde dieser Satz klingt ganz schön deprimierend. Er klingt nach Kapitulation. Und irgendwie auch nach: „Mach mal keinen Stress, lasst es uns lieber so machen, wie wir es immer gemacht haben.“

Ich frage mich ja: Ist nicht vielmehr ein Mangel an großen Visionen das, was Politik heute fehlt? Würde es unserer Gesellschaft nicht ganz gut tun, sich mal generell zu fragen, wo wir eigentlich langfristig hin wollen? Und zwar gerade bei komplexen Themen wie der Digitalisierung?

Diesen Sommer habe ich mich für ein verlängertes Wochenende an einen ganz besonderen Ort begeben. Alle vier Jahre kommen beim Chaos Communication Camp tausende Hackerinnen und Hacker aus aller Welt zusammen. Gemeinsam bauen sie dort an ihrer Vision einer Digitalisierung, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht nur den Vorstellungen der Wirtschaft ausrichtet. Aber was bedeutet das eigentlich?

In dieser Folge kommen unglaublich viele Gäste zu Wort, darunter Michael Hirdes (Vorsitzender des CCC), Markus Reuter (Netzpolitik.org), Elektra (Freifunk), Tim Pritlove (u.a. Logbuch Netzpolitik), Arne Semsrott (FragDenStaat / Open Knowledge Foundation Deutschland), Matthias Kirschner (Free Software Foundation Europe) und die Band Systemabsturz.

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(Katharina Nocun)

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2 Gedanken zu „DA008: Urlaub auf dem Hackercamp

  1. Hi Katharina,

    ein schöner Beitrag, vielen Dank. Das „Zitat“: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen oder vielmehr die Nutzung dessen, zeigt was (häufig) in unserem Umfeld passiert. Der Satz wird so zitiert, als hätte Schmidt das wortwörtlich gemeint. Es war aber eine pampige Antwort auf eine dusselige Frage, wie er selbst sagte (z.B. im ZEITmagazin 4. März 2010) und der Satz war auch Singular, also: „Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen.“ Es sind Details, aber die Aussage ist eine andere gewesen und vermutlich nicht „Mach mal keinen Stress, lasst es uns lieber so machen, wie wir es immer gemacht haben.“

    Viele Grüße
    ST

  2. Hallo Katharina,

    ich bin sehr begeistert von deinem Podcast, vielen Dank dafür!
    Dein „Urlaub auf dem Hackercamp“ hat mir eine fixe Idee in den Kopf gesetzt, die ich mal weiterdenken muss. Ich bin Lehrer an einem Gymnasium und beschäftige mich mit dem Thema „Digitalisierung“. Die Form eines solchen Festivals, so wie du es beschreibst in seiner ganzen Kreativität und gedanklichen Freiheit in die Schule zu bringen, stelle ich mir wahnsinnig spannend vor. 3-5 Projekttage an der Schule, die völlig offen sind, bei denen alle Beteiligten nach ihren Interessen und Vorstellungen Projekte entwickeln können, ohne in feste Strukturen hineingezwängt zu werden. Keine festen Zeiten, Schule über Nacht geöffnet, Aufheben von Hierarchien, Eigenverantwortlichkeit, usw. Das wäre ja auch eine Vision wie Schule laufen könnte….

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